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ZREKVT 2010

Leseprobe 1

Zur Zielperspektive in den

Kognitiven Verhaltenstherapien

(KT - KVT - REVT)

Dieter Schwartz

Deutsches Institut für Rational-Emotive &

Kognitive Verhaltenstherapie (DIREKT) e.V.

 Würzburg

Zusammenfassung: Mit der Revision des ABC-Modells stellte Ellis dem ABC ein Z (G) für Basic Human Goals oder  Lebensziele voran. Es wird dargestellt, dass in der Literatur der Begriff der „Ziele in der Psychotherapie“ in unterschiedlichen Bedeutungen vorkommt und sodann vorgeschlagen, konkrete Therapieziele von allgemeinen Lebenszielen zu unterscheiden. Es wird untersucht, welche Bedeutung die allgemeinen Lebensziele von Patienten neben dem konkreten Therapieziel in Theorie und Praxis des Behandlungsverlauf  (treatment sequence) bei folgenden Kognitiven Verhaltenstherapien  haben: der Kognitiven Therapie nach Beck, der im Mainstream in Deutschland praktizierten (Kognitiven) Verhaltenstherapie, und insbesondere der (spezifischen) Rational-Emotiven Verhaltenstherapie. Da alle drei kognitiven Ansätze sich dabei explizit wie implizit im ABC-Modell von Ellis bewegen wird untersucht, ob und inwieweit Lebensziele innerhalb des ABC-Assessmentprozesses systematisch eingebunden sind. Im Ergebnis scheint dies mehr für die REVT der Fall zu sein, da die anderen Ansätze in ihrem Verständnis des ABC-Modells die Revision des ABC-Modells nicht nachvollzogen haben und nicht über die philosophische Basis der REVT verfügen. Es wird argumentiert, dass in der REVT die allgemeinen Lebensziele von Patienten systematisch und zwingend in den ABC-Assessmentprozess  eingebunden sind. In dieser Hinsicht kann die REVT ein (weiteres) Alleinstellungsmerkmal unter den Kognitiven Verhaltenstherapien beanspruchen.

Schlüsselwörter: Revidiertes ABC-Modell, konkrete Therapieziele, allgemeine Lebensziele, Kognitive Verhaltenstherapie, spezifische REVT, Philosophische Basis, ABC-Assessment, Ungesunde negative Emotion (UNE), dysfunktionales Verhalten

Abstract: The revised ABC-model of Albert Ellis is overarched by a G (Basic Human Goal or Life Goal). This article illustrates the different meanings of “goals in psychotherapy” and highlights a distinction between concrete goals in therapy and the broader common life goals. Furthermore this article investigates the relevance of patients’ life goals in addition to the concrete therapeutic goals in theory and practice of the treatment sequence in Beck’s  Cognitive Therapy, mainstream CBT as practiced in Germany, and Ellis’ (specific) REBT. The article also investigates if and how life goals are systematically included within the ABC assessment process, since all three approaches make implicit and/or explicit use of Ellis’ ABC model. REBT is the model which is most inclusive of common life goals, because Beck and mainstream CBT have not incorporated the use of the revised ABC model. They also do not have a specific philosophic emphasis, as REBT does. REBT systematically and stringently incorporates common life goals into the ABC assessment process. This constitutes another distinction of REBT from other forms of cognitive behavior therapies.

Keywords: Revised ABC model, concrete therapeutic goals, life goals, cognitive behavior therapy, specific REBT, philosophical foundation, ABC assessment, unhealthy negative emotions (UNE), dysfunctional behavior.

Die von Albert Ellis ab 1955 entwickelte Rational-Emotive Verhaltenstherapie (REVT) ist die erste Form kognitiver Verhaltenstherapie (Scholz, 2001; Ungerer & Hoellen, 2006). Das von Ellis (1962, 1994) entwickelte ABCDE-Modell kann als Kernstück der REVT wie auch aller nachfolgender kognitiv-behavioraler Therapieansätze gesehen werden (David, Szentagotai, Eva & Macavei, 2005; Wilken, 2008, für die Ansätze von Ellis, Beck und Meichenbaum). Allerdings hat Ellis sein ursprüngliches ABC-Modell später einer wichtigen Revision unterzogen (Ellis, 1991; 1994, 1994b).

Erschienen in:

Zeitschrift für Rational-Emotive & Kognitive Verhaltenstherapie (2010), 21, S.25-50

Leseprobe 2

Metakognitive Therapie (MCT) und

 Symptomstress – lassen sich

 Metakognitionen in das ABC-Modell

 integrieren?

Nils Spitzer

Psychotherapeutische Praxis

Gladbeck

Zusammenfassung: Traditionelle kognitive Therapien wie die REVT basieren auf einem Schemamodell mentalen Funktionierens: Überzeugungen werden als kognitive Schemata verstanden. Avanciertere Therapietheorien rücken dagegen neuerdings statt einzelner Überzeugungen, deren Inhalt auf die Außenwelt gerichtet ist, Kognitionen über Kognitionen (Metakognitionen) und längere Denkstile (z.B. Grübeln) in den Mittelpunkt. Ein prominenter Vertreter solcher kognitiver Therapien ist die Metakognitive Therapie (MCT) von Adrian Wells. Der Artikel erwägt, wie Metakognitionen in eine traditionelle kognitive Therapie integriert werden können, und schlägt dazu eine Variante des sekundären ABC vor.

Schlüsselwörter: Metakognition, Metakognitive Therapie, MCT, REVT, kognitive Therapie, sekundäres ABC, Symptomstress, Zwangsstörung, Grübeln

Abstract: Traditional cognitive therapies like REBT are based on a schema model of mental functioning. Beliefs are conceptualized as cognitive schemata. Actual cognitive therapies no longer focus on the content of single beliefs. They prefer cognitions about cognition (metacognitions) and thinking styles (rumination) instead. This paper contemplates about how to integrate metacognitions into more traditional cognitive therapies und presents the concept of the secondary ABC as a possible solution.

Keywords: Metacognition, Metacognitive Therapy, MCT, REBT, Cognitive Therapy, secondary ABC, symptomstress, OCD, Rumination

„Beliefs“ als kognitive Schemata

Kognitive Schemata

In den kognitiven Therapien werden gewöhnlich nicht alle Kognitionen als gleich wichtig für die Entwicklung belastender Emotionen und dysfunktionaler Verhaltensweisen angesehen. Die Gedanken, die bei einem Menschen ganz unschuldig zur Oberfläche des Bewusstseins aufsteigen, erscheinen in ihren kognitiven Architekturen beeinflusst von einer bedeutsameren Tiefenstruktur von Kognitionen:

In CBT erroneous interpretations of events that cause psychological disorder are assumed to emanate from beliefs, […]. These are beliefs such as “The world is dangerous” and “I’m inadequate” (Wells, 2009; S. 3).

Solche „Beliefs” als kognitive Schemata zu modellieren, wird häufig als Aaron T. Becks einzigartiger Beitrag zu den kognitiven Therapien angesehen. Schemata auf dem ”deeper level” (DeRubeis, Tang & Beck, 2001; S. 352) der Informationsverarbeitung werden begriffen als  “organizing principles […] on which the person bases such things as a world view, beliefs about the self, and relatedness to others“ (Weishaar, 1993; S. 49). Auch die REVT hat den Begriff des kognitiven Schemas übernommen, um den Anschluss an die Forschung der kognitiven Psychologie nicht zu verlieren. Schemata waren etwa seit den 1960er Jahren der heilige Gral der Kognitionspsychologie (Zuroff, 1992; S. 274). Das griechische Wort Schema wurde über die Zukunftsform des Verbs echo mit der Bedeutung „haben“ oder „festhalten“ gebildet und bedeutete bereits in der Antike „Form“ oder „Gestalt“ – eine abstrakte Konfiguration. Bartlett (1932) und Piaget (1936) haben den Begriff Schema schließlich in die moderne Psychologie eingeführt.

Erschienen in:

Zeitschrift für Rational-Emotive & Kognitive Verhaltenstherapie (2010), 21, S.5-23

Leseprobe 3

Beziehung – Bewusstheit –

Behaviorismus:

Die Funktional Analytische

Psychotherapie (FAP)

Norbert Schneider

Psychotherapeutische Praxis

Fürth

Zusammenfassung: Die Funktional-Analytische Psychotherapie (FAP) ist eine beziehungsfokussierte, prozess- und erlebnisorientierte Verhaltenstherapie, die von den radikal-behavioristischen Prinzipien B.F. Skinners geleitet wird. FAP-Therapeuten achten darauf, wie die sozialen und emotionalen Probleme der Klienten im Hier und Jetzt der therapeutischen Begegnung („in vivo“) in Erscheinung treten. Dabei bedienen sie sich funktionaler Analysen zur Reflexion des Klientenverhaltens sowie der eigenen Reaktionen zum Verständnis des Dysfunktionalen, aber auch des Zweckmäßigen des Verhaltens. Das Problemverhalten der Klienten soll sich durch unmittelbare soziale Verstärkung sukzessive in Richtung eines adaptiveren Interaktionsverhaltens entfalten (shaping). Statt auf „künstliche“ Verstärkungen zurückzugreifen, versuchen FAP-Therapeuten durch das Herstellen einer emotional-intensiven und authentischen Beziehung ein therapeutisches Fluidum hervorzurufen, in dem die natürlichen Reaktionen der TherapeutIn verstärkend wirken. FAP verzichtet auf die explizite Vermittlung von allgemeinen sozialen Regeln und vertraut auf die Wirkkraft des Erlebens bzw. der Formung durch die Kontingenzen in einer intimen und lebendigen Beziehung.

Schlüsselwörter: Funktional Analytische Psychotherapie; FAP; therapeutische Beziehung; Radikaler Behaviorismus; „Dritte Welle“ der Verhaltenstherapie; Klinische Verhaltensanalyse.

Abstract: Functional Analytic Psychotherapy is a relationship-focused, process- and experiential-based behavior therapy, inspired by the radical-behavioral principles of B.F. Skinner. FAP-therapists pay attention to the client’s relational and emotional problems as they manifest in the here-and-now of the therapeutic encounter (“in vivo”). In doing so they apply a functional analysis to reflect the client’s behavior as well as their own reactions and to better understand, what is problematic but also what is purposeful about that behavior. By means of immediate social reinforcement the problematic behavior is expected to successively develop in the direction of a more adaptive interpersonal behavior (shaping). Instead of resorting to contrived reinforcers FAP-therapists try to develop an emotionally intense and authentic relationship in order to evoke a therapeutic atmosphere, in which the natural reactions of the therapist can function as reinforcers. FAP relinquishes the explicit communication of general social rules and trusts in the effect of experiencing and shaping through the contingencies present in an intimate and vital relationship.

Keywords: Functional Analytic Psychotherapy; FAP; therapeutic relationship; radical behaviorism; “third wave” of behavior therapy; clinical behavior analysis.

„Der einzige wahre Zahlungsmittel in dieser bankrotten Welt ist das,  was du jemandem mitteilst, wenn du uncool bist” (Lester Banks).

Als Bob Kohlenberg und Mavis Tsai (1991) ihre Klienten mit herkömmlicher Kognitiver Verhaltenstherapie behandelten, machten sie eine verblüffende Beobachtung. Viele ihrer Klienten verbesserten sich in der beabsichtigten Richtung: Sie erlitten weniger Angst, depressive Symptome und Zwänge gingen zurück. Aber darüber hinaus stellten sie fest, dass einige dieser Klienten eine weitere und sehr weitreichende Veränderung erfuhren. Sie fühlten eine größere Verbundenheit, Offenheit und Nähe zu anderen Menschen und hatten eine besondere Fähigkeit zur Herstellung von intimen und emotional intensiven Beziehungen entwickelt.

 Zeitschrift für Rational-Emotive & Kognitive Verhaltenstherapie (2010), 21, S.52-87

    Copyright by D.Schwartz

 

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