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Leseprobe 2
Metakognitive Therapie (MCT) und
Symptomstress – lassen sich
Metakognitionen in das ABC-Modell
integrieren?
Nils Spitzer
Psychotherapeutische Praxis
Gladbeck
Zusammenfassung: Traditionelle kognitive Therapien wie die REVT basieren auf einem Schemamodell mentalen Funktionierens: Überzeugungen werden als kognitive Schemata verstanden. Avanciertere Therapietheorien rücken dagegen neuerdings statt einzelner Überzeugungen, deren Inhalt auf die Außenwelt gerichtet ist, Kognitionen über Kognitionen (Metakognitionen) und längere Denkstile (z.B. Grübeln) in den Mittelpunkt. Ein prominenter Vertreter solcher kognitiver Therapien ist die Metakognitive Therapie (MCT) von Adrian Wells. Der Artikel erwägt, wie Metakognitionen in eine traditionelle kognitive Therapie integriert werden können, und schlägt dazu eine Variante des sekundären ABC vor.
Schlüsselwörter: Metakognition, Metakognitive Therapie, MCT, REVT, kognitive Therapie, sekundäres ABC, Symptomstress, Zwangsstörung, Grübeln
Abstract: Traditional cognitive therapies like REBT are based on a schema model of mental functioning. Beliefs are conceptualized as cognitive schemata. Actual cognitive therapies no longer focus on the content of single beliefs. They prefer cognitions about cognition (metacognitions) and thinking styles (rumination) instead. This paper contemplates about how to integrate metacognitions into more traditional cognitive therapies und presents the concept of the secondary ABC as a possible solution.
Keywords: Metacognition, Metacognitive Therapy, MCT, REBT, Cognitive Therapy, secondary ABC, symptomstress, OCD, Rumination
„Beliefs“ als kognitive Schemata
Kognitive Schemata
In den kognitiven Therapien werden gewöhnlich nicht alle Kognitionen als gleich wichtig für die Entwicklung belastender Emotionen und dysfunktionaler Verhaltensweisen angesehen. Die Gedanken, die bei einem Menschen ganz unschuldig zur Oberfläche des Bewusstseins aufsteigen, erscheinen in ihren kognitiven Architekturen beeinflusst von einer bedeutsameren Tiefenstruktur von Kognitionen:
In CBT erroneous interpretations of events that cause psychological disorder are assumed to emanate from beliefs, […]. These are beliefs such as “The world is dangerous” and “I’m inadequate” (Wells, 2009; S. 3).
Solche „Beliefs” als kognitive Schemata zu modellieren, wird häufig als Aaron T. Becks einzigartiger Beitrag zu den kognitiven Therapien angesehen. Schemata auf dem ”deeper level” (DeRubeis, Tang & Beck, 2001; S. 352) der Informationsverarbeitung werden begriffen als “organizing principles […] on which the person bases such things as a world view, beliefs about the self, and relatedness to others“ (Weishaar, 1993; S. 49). Auch die REVT hat den Begriff des kognitiven Schemas übernommen, um den Anschluss an die Forschung der kognitiven Psychologie nicht zu verlieren. Schemata waren etwa seit den 1960er Jahren der heilige Gral der Kognitionspsychologie (Zuroff, 1992; S. 274). Das griechische Wort Schema wurde über die Zukunftsform des Verbs echo mit der Bedeutung „haben“ oder „festhalten“ gebildet und bedeutete bereits in der Antike „Form“ oder „Gestalt“ – eine abstrakte Konfiguration. Bartlett (1932) und Piaget (1936) haben den Begriff Schema schließlich in die moderne Psychologie eingeführt.
Erschienen in:
Zeitschrift für Rational-Emotive & Kognitive Verhaltenstherapie (2010), 21, S.5-23
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